Ursachen und Diagnosemöglichkeiten ungewollter Kinderlosigkeit

Prof. Dr. Heribert Kentenich, Gynäkologe am Fertility Center Berlin, spricht über die Ursachen ungewollter Kinderlosigkeit.

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Medizinische Ursachen

Wenn Sie über einen längeren Zeitraum nicht schwanger werden, kann das organische Ursachen haben. Bei 30 bis 40 Prozent der Paare liegt eine biologische Störung bei einem der Partner vor. In 20 Prozent der Fälle sind beide Partner nur bedingt fruchtbar.

Seelische Ursachen

In 10 bis 15 Prozent aller Fälle können Mediziner und Psychologen keinen biologischen Grund für die Kinderlosigkeit feststellen. Meist üben hier emotionale Belastungen und das seelische Befinden indirekt Einfluss auf die Fruchtbarkeit aus.

Äußere Faktoren

Auch eine Reihe von äußeren Faktoren wie Erschöpfung, Stress oder eine ungesunde Lebensweise können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.

Medizinische Ursachen

Fruchtbarkeitsstörungen haben bei Frauen und Männern meist biologische Gründe

Häufig werden solche Probleme erst dann entdeckt, wenn Ärzte gezielte Untersuchungen vornehmen. Mögliche Ursachen sind:

Geschlechtskrankheiten

Der häufigste Grund für Unfruchtbarkeit bei Frauen wie bei Männern ist eine Infektion mit Chlamydien. Diese Bakterien werden durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen und können unter anderem einen Eileiterverschluss bei Frauen oder Nebenhoden- und Prostata-Entzündungen bei Männern verursachen.

Hormonelle Störungen bei Frauen

Oft können hormonelle Probleme Fruchtbarkeitsstörungen auslösen. So kann beispielsweise eine Schilddrüsenfehlfunktion die Eizellreifung negativ beeinflussen.

Erkrankungen bei Frauen

Organische Defekte oder Veränderungen der Eierstöcke und Eileiter, des Gebärmutterhalses sowie der Gebärmutter können ebenfalls Schwangerschaften erschweren oder verhindern. Entzündungen, vorangegangene Eileiterschwangerschaften oder Operationen sind weitere häufige Gründe. Endometriose, eine weit verbreitete Erkrankung der Gebärmutterschleimhaut, kann auch die Ursache für eine Fruchtbarkeitsstörung sein.

Erkrankungen bei Männern

Unfruchtbarkeit ist bei Männern zum überwiegenden Teil auf ein sogenanntes eingeschränktes Spermiogramm zurückzuführen. Das bedeutet, dass nicht genügend intakte und bewegliche Samenzellen produziert werden. Die Spermienqualität kann von Krankheiten, Schadstoffen oder auch einer ungesunden Lebensweise beeinträchtigt werden.

Seelische Ursachen

Emotionale Belastungen können indirekt Einfluss auf die Fruchtbarkeit haben

In 10 bis 15 Prozent aller Fälle lässt sich keine organische Ursache für die Kinderlosigkeit feststellen. Meist üben hier emotionale Belastungen und das seelische Befinden indirekt Einfluss auf die Fruchtbarkeit aus. Wenn es mit der Schwangerschaft nicht sofort klappt, machen sich viele Paare Sorgen – der unbedingte Kinderwunsch kann zur emotionalen Belastung werden, die von Tag zu Tag zunimmt. Geht diese Belastung mit einer ungesunden Lebensweise einher – zum Beispiel Genussmittel- oder Medikamentenmissbrauch –, wird dadurch die Fruchtbarkeit negativ beeinflusst. Aber auch Sexualstörungen, die bei unerfülltem Kinderwunsch vermehrt auftreten können, beeinträchtigen die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit. Eine direkte Auswirkung der Psyche auf die Fruchtbarkeit ist dagegen unwahrscheinlich.

Äußere Faktoren

Die individuelle Lebensweise kann Fruchtbarkeit von Frauen und Männern einschränken, aber auch begünstigen

Stress

Erschöpfung, erhöhte Nervosität sowie Konzentrations- und Schlafstörungen können Anzeichen von beruflichem oder privatem Stress sein. Dies kann nicht nur die sexuelle Lust bei Frauen und Männern, sondern durch eine ungesunde Lebensweise auch deren Fruchtbarkeit beeinträchtigen.

Ungesunde Lebensweise

Eine ungesunde Lebensweise hat Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit: Nikotin behindert beispielsweise die Durchblutung der Fortpflanzungsorgane und vermindert so die Chancen auf eine Schwangerschaft. Übermäßiger Alkoholkonsum kann organische Schäden auslösen.

Übergewicht

Aufgrund eines hormonellen Ungleichgewichts kann es bei stark über- wie untergewichtigen Frauen zu Zyklusstörungen kommen, die eine Schwangerschaft verhindern können. Bei stark übergewichtigen Männern sind Einschränkungen der Samenqualität nachgewiesen worden.

Schwere körperliche Belastungen

Im Gegensatz zu maßvollem regelmäßigen Sport können schwere körperliche Arbeit oder extreme sportliche Anstrengungen den Hormonhaushalt von Frauen durcheinanderbringen und damit die Fortpflanzungsfähigkeit negativ beeinflussen.

So werden die Ursachen diagnostiziert

Ihre ersten Anlaufstellen

Erste Anlaufstelle ist meist die Hausärztin oder der Hausarzt. Diese überweisen Sie dann an eine Fachmedizinerin/einen Fachmediziner. Frauen können auch – beispielsweise im Rahmen der Routineuntersuchungen – bei ihrer Gynäkologin oder ihrem Gynäkologen das Thema ansprechen. Bei den Männern nehmen Urologen oder Andrologen die entsprechenden Untersuchungen der Fruchtbarkeit vor. Umfassende Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten finden Sie auch in reproduktionsmedizinischen Zentren oder Spezialpraxen.

Das müssen Sie über die Untersuchungen wissen

Die Suche nach den medizinischen Ursachen für Kinderlosigkeit beginnt mit der sogenannten Anamnese. Dabei fragt Sie die Ärztin oder der Arzt nach Ihrer bisherigen Krankheitsgeschichte und die Ihrer Partnerin oder Ihres Partners. Vererbte, vergangene und akute Krankheiten können für die Diagnose eine wichtige Rolle spielen.

Die Untersuchungen, aber auch die anschließenden Behandlungen können mit körperlichen wie psychischen Belastungen einhergehen. Deshalb sollten Sie vor einer möglichen Untersuchung oder Behandlung ein offenes Gespräch mit einer Ärztin/einem Arzt oder einer Expertin/einem Experten in einer psychosozialen Beratungsstelle suchen.

Damit Sie beim Erstgespräch in der Arztpraxis nichts vergessen, finden Sie auf der Seite Material eine Liste der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die Ihnen helfen kann, sich auf die Kinderwunschberatung vorzubereiten.

Untersuchungen bei Frauen und Männern

Untersuchungen bei Frauen

  • Untersuchung des Urins oder des Scheidensekrets, um Infektionen oder Pilzbefall auszuschließen
  • Ultraschalluntersuchung, um Auffälligkeiten der Gebärmutter, der Eierstöcke und der Eileiter zu erkennen
  • Hormonuntersuchungen zur Prüfung der Hormonproduktion und des Zusammenspiels der Hormone im Monatszyklus
  • Bauch- beziehungsweise Gebärmutterspiegelung für die genaue Untersuchung der weiblichen Fortpflanzungsorgane – Eierstöcke, Eileiter, Gebärmutter. Damit lassen sich Fehlbildungen oder Funktionsstörungen erkennen.

Untersuchungen bei Männern

  • Abtasten von Hoden, Nebenhoden, Prostata und Bläschendrüsen
  • Bei Bedarf Durchführung einer Ultraschalluntersuchung der Geschlechtsorgane, der Prostata und Harnwege
  • Erstellung eines Spermiogramms: Es stellt die Anzahl der intakten Samenzellen und deren Beweglichkeit fest.
  • Je nach Befund Hormonuntersuchungen und genetische Untersuchungen

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