Annika (36 Jahre) und Michael (40 Jahre)

Bei uns wurde vor zwei Jahren festgestellt, dass wir auf natürlichem Weg keine Kinder bekommen können. Bei meinem Mann gibt es Einschränkungen im Spermiogramm und bei mir wurden polyzystische Ovarien diagnostiziert. Uns wurde auch gesagt, dass wir mit medizinischer Hilfe, mit einer IVF, gute Chancen hätten. Wir sind daher zu einem Kinderwunschzentrum gegangen. Im Wartezimmer saßen so viele Paare. Das hat uns total überrascht. Wir hätten wirklich nicht damit gerechnet, dass es so viele betrifft. Von der Ärztin haben wir uns erklären lassen, wie genau diese Behandlung aussieht. Das Gespräch verlief eigentlich ganz gut. Aber was sie uns erklärte, klang sehr abschreckend. Ich müsste viele Medikamente nehmen und mich selbst spritzen. Dass die Eizellen außerhalb meines Körpers mit dem Samen meines Mannes befruchtet werden, das klang für uns beide sehr absonderlich. Und dann kamen die Kosten hinzu. Unser Eigenanteil läge bei rund 1.500 Euro pro Versuch und die Ärztin erklärte, dass wahrscheinlich mehrere Versuche erforderlich seien – also mehrere Tausend Euro, ohne dass es eine Garantie gibt, dass es tatsächlich klappt.

Wir haben dann die Entscheidung erst einmal aufgeschoben. So viel Technik und so viel Geld, um ein Kind zu zeugen, das konnten wir uns nicht vorstellen. Ich versuche immer, dass wir beide gesund und möglichst natürlich leben. Und wenn wir Reproduktionsmedizin machen, dann würden wir gegen vieles gehen, das mir sehr wichtig ist, denn normalerweise gehe ich immer erst zum Heilpraktiker und nur dann zum Arzt, wenn es gar nicht anders geht. Aber wir werden beide immer älter und wissen, dass die Chancen dann noch niedriger werden. Im Moment empfinde ich uns in einem Dilemma: Wir möchten nicht mit so viel Technik ein Kind zeugen und ich möchte meinem Körper auch nicht so viel Medikamente antun. Ich bin eigentlich, bis auf die polyzystischen Ovarien, gesund und bräuchte gar keine medizinische Behandlung. Es sieht aber so aus, dass es anders gar nicht geht. Und dass wir nicht mehr den Luxus haben, die Entscheidung nach hinten zu verschieben, weil meine biologische Uhr immer lauter tickt. Nun überschattet nicht nur der unerfüllte Kinderwunsch, sondern auch diese anstehende Entscheidung unser Leben. Wir haben versucht, mit Freundinnen und Freunden darüber zu reden, aber die meisten in unserem Freundeskreis haben schon Kinder und können nicht wirklich nachvollziehen, wie es uns geht. Und unsere Eltern können uns auch nicht helfen. Meine sind der Meinung, wir sollten es versuchen, die meines Mannes sind skeptisch und denken, wir haben doch auch ohne Kind ein gutes Leben und sollten nicht wegen eines Kindes unsere Gesundheit riskieren. Ich merke, dass ich immer mehr dazu tendiere, zumindest einen Versuch zu wagen, aber ganz sicher bin ich noch nicht.

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