Ines (34 Jahre) und Rainer (40 Jahre)

Als wir den ersten gescheiterten IVF-Versuch hinter uns hatten, wussten wir nicht mehr ein noch aus. Ich konnte nur noch daran denken, dass wir so viel getan hatten, und so viel Geld ausgegeben hatten, und dass alles umsonst war. Wir hatten für den ersten Versuch Geld gespart, denn wir beide verdienen nicht allzu viel. Und ich hatte so viel Hoffnung in die Medizin gesetzt und meine Frau auch ein bisschen dazu überredet. Uns wurde ja eine Erfolgsrate von rund 35 Prozent versprochen. Und ich ging davon aus: Drei Mal und dann sind wir schon schwanger. Meiner Frau ging es sehr schlecht, so schlecht, dass ich am Tag des negativen Ergebnisses Angst um sie hatte. Sie konnte nicht arbeiten, saß nur stumm zu Hause und weinte fast ununterbrochen. Dass das einen solchen Stress auslöste, das hätte ich nicht gedacht.

Vom Kinderwunschzentrum hatte ich die Telefonnummer einer Beraterin. Als ich dann wirklich Angst bekam, weil es meiner Frau auch am Nachmittag gar nicht gut ging, rief ich dort an und wir hatten Glück, denn wir konnten für zwei Tage später einen Termin vereinbaren. Ich wollte recht schnell den nächsten Versuch starten, aber das konnten wir uns finanziell nicht leisten. Und meine Frau wollte eine Pause einlegen – damit sie wieder zu sich kommen konnte und damit wir wieder etwas Geld sparen oder vielleicht doch noch mal mit unseren Eltern über eine finanzielle Unterstützung sprechen konnten. Die lehnten zwar die IVF ab, das sei doch nur „Geldmacherei“, aber meine Frau meinte, sie würde zumindest nochmals mit ihren Eltern sprechen.

In der Beratung erfuhr ich dann, dass ganz viele Frauen so extrem reagieren wie meine Frau, dass das gar nichts Besonderes, sondern fast schon normal sei. Wir besprachen, wie ich sie in den nächsten Tagen unterstützen konnte und wie und wann wir einen nächsten Versuch starten und uns dann gegenseitig unterstützen würden. Außerdem besprachen wir, wie es im schlimmsten Fall ohne Kind in unserem Leben weitergehen könnte. Das fand ich zwar sehr pessimistisch, aber meiner Frau tat es gut, auch einen solchen Plan „in der Tasche“ zu haben. Weil uns die Beratung so gutgetan hatte, vereinbarten wir, vor dem nächsten Behandlungszyklus einen weiteren Termin zu machen, um das Auf und Ab der Gefühle ein bisschen besser in den Griff zu bekommen.

Ich muss gestehen, dass ich die Beratung sehr skeptisch gesehen hatte. Immerhin waren wir ja nicht krank und ich sah nicht wirklich ein, dass wir nochmals zu einer Stelle gehen sollten und dort alles über uns und unseren Kinderwunsch erzählen sollten. Außerdem hatte ich auch gedacht, dass eine Beratung viel langwieriger ist, viele Sitzungen über viele Wochen. Aber nach dieser einen Beratungssitzung war ich sehr positiv überrascht. Die Beraterin gab viele gute Ratschläge und half uns ganz konkret; man merkte einfach, dass sie sich sehr gut auskannte. Und sie meinte, dass im Normalfall gar nicht viele Sitzungen erforderlich seien und dass wir uns auch bei Bedarf einfach bei ihr melden dürften.

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