Janina (29 Jahre) und Simon (33 Jahre)

Wir haben vor zwei Jahren mit einer Kinderwunschbehandlung angefangen, weil bei meiner Frau verschlossene Eileiter festgestellt wurden. Die ersten Behandlungen waren auch erträglich. Zwar waren die Spritzen und die anderen Eingriffe kein Kinderspiel, aber meine Frau hat körperlich alles gut vertragen. Richtig schwierig war jedoch, dass in unserem Freundeskreis in den letzten Jahren fast alle Kinder bekommen haben oder gerade schwanger sind. Wir hatten niemanden, dem es ähnlich ging, und fühlten uns so ziemlich als Außenseiter. Das führte dazu, dass wir uns zurückzogen. Vor allem meine Frau konnte es kaum noch ertragen, wieder von einer Schwangerschaft zu hören oder einen dicken Bauch zu sehen. Sie litt auch darunter, dass sich die Gespräche nur noch um die Kinder drehten und sie gar nicht mehr mitreden konnte. In unserem Familienkreis war es ähnlich. Wir haben beide Geschwister, die auch nach und nach Kinder bekommen haben und sozusagen in ihrer Lebensplanung an uns vorbeizogen. Eigentlich wären wir dran gewesen, denn wir sind älter.

Wir merkten, dass wir uns beide immer eigenbrötlerischer verhielten und mit keinem mehr über unseren Kinderwunsch sprachen. Wir merkten auch, dass uns die anderen gar nicht mehr auf unseren Kinderwunsch ansprachen, sie wussten wahrscheinlich gar nicht, was sie sagen sollten. Als es bei meiner Frau dann auch Schwierigkeiten am Arbeitsplatz gab, weil sie wegen der Behandlung immer mal wieder spontan fehlen musste und ihre Kolleginnen bzw. Kollegen und Vorgesetzten nachfragten, was denn los sei, entschieden wir, dass wir irgendwie anders mit unserem Kinderwunsch und der Behandlung umgehen mussten. Wir wussten aber nicht wie.

Im Kinderwunschzentrum empfahlen sie uns eine psychosoziale Beratung. Das wollten wir eigentlich nicht. Wir waren ja nicht krank, wir wünschten uns nur ein Kind. Aber nach einigem Hin-und-Her-Überlegen machten wir einen Termin aus. Und wir waren ganz schön überrascht. Der Berater kannte sich sehr gut aus und sprach genau die richtigen Themen an. Wir vereinbarten dann vier Sitzungen, in denen wir vor allem klären wollten, wie wir beide mit Freunden, Familie und am Arbeitsplatz mit unserem Kinderwunsch besser umgehen können. Gemeinsam mit dem Berater entwickelten wir richtige Strategien, überlegten, mit wem wir Details besprechen können, bei wem wir eher zurückhaltend sind etc. Auch gab er uns ein paar sehr gute Hinweise, wie wir Familienfeiern gut überstehen können. Ich hätte nicht gedacht, dass wir in so wenigen Sitzungen so viele Anregungen – zum Nachdenken und zum Umsetzen – bekommen würden. Das hat uns sehr entlastet und dazu beigetragen, dass wir nun viel klarer und etwas gelassener mit unserem Kinderwunsch umgehen können.

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