Karen (33 Jahre) und Martin (37 Jahre)

Wir haben seit zwei Jahren einen Kinderwunsch und verhüten seitdem auch nicht mehr. Meine Frau hatte als Jugendliche eine spät festgestellte schwere Blinddarmentzündung. Ihre Frauenärztin hatte schon angedeutet, dass es eventuell als Folge davon Probleme mit dem Schwangerwerden geben könne. Sie hat uns eine Abklärung in einem Kinderwunschzentrum empfohlen. Allerdings müssen wir auf den Ersttermin dort noch warten. Auf der Homepage des Zentrums wurde auch auf eine psychosoziale Beratung hingewiesen, da haben wir sehr schnell einen Termin bekommen. Das Gespräch mit dem Berater dort war ausgesprochen locker, gar nicht „psycho“-lastig, wie man es von manchen amerikanischen Fernsehserien kennt. Er hat uns erst mal erklärt, wann die Psyche indirekt auf den unerfüllten Kinderwunsch einwirken kann, und mit uns über unser Essverhalten, sportliche Aktivitäten und Genussmittelmissbrauch gesprochen. Es war für uns auch völlig okay, offen über unser Sexualleben zu sprechen. Vor ein paar Wochen haben wir uns die App auf unsere Smartphones geladen, die die fruchtbaren Tage anzeigt. Ehrlich gesagt hat es unser Sexualleben bisher eher beflügelt, wenn wir wissen: Jetzt kommt es drauf an. Schließlich ging es im Beratungsgespräch um unseren Umgang mit dem unerfüllten Kinderwunsch, aber auch um einen möglichen „Plan B“. Wir gehen relativ locker mit dem Thema um: Unsere Familien und der Freundeskreis wissen davon, dass wir schon einige Zeit „üben“. Auch mein Chef – ich arbeite in einer Softwarefirma – ist informiert. Er geht davon aus, dass ich kommende Fehlzeiten wegen der Kinderwunschbehandlung entsprechend über Homeoffice-Tätigkeiten ausgleichen werde. Einen Plan B halte ich nicht für notwendig, da ich von den Möglichkeiten der modernen Medizin fest überzeugt bin: Karen ist da etwas skeptischer, vermutlich wegen ihrer Erfahrung als Jugendliche. Ich bin mir aber sicher, dass wir über die IVF zu unserem Wunschkind kommen werden. Die Beratung endete übrigens mit einem positiven Feedback des Beraters, wir seien für die anstehende Kinderwunschbehandlung insgesamt „gut aufgestellt“, könnten uns aber bei Bedarf gerne jederzeit wieder an ihn wenden. Das werden wir gerne machen, obwohl ich nicht glaube, dass es notwendig sein wird.

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