Marie (38 Jahre) und Daniel (41 Jahre)

Vor fünf Jahren habe ich Daniel kennengelernt, der erste Partner, mit dem ich mir sehr schnell die Gründung einer Familie vorstellen konnte. Er hingegen war merkwürdig zögerlich, ich wurde auch allmählich ungeduldig und zunehmend sauer. Erst nach ein paar Monaten gestand er mir, dass er befürchtete, wegen eines zu spät behandelten Hodenhochstandes als Kind jetzt unfruchtbar zu sein. Da verstand ich sein Zögern. Aufgrund von zwei Paaren im Bekanntenkreis, die über künstliche Befruchtung jeweils zwei tolle Wonneproppen bekommen hatten (eins sogar Zwillinge), schlug ich Daniel eine Untersuchung im Kinderwunschzentrum vor Ort vor. Er willigte auch sofort ein. In mehreren Ejakulaten konnten leider auch keine Spermien gefunden werden, eine Hodenbiopsie sollte letzte Klarheit bringen.

Daniel: Marie wollte unbedingt ein Kind mit meinen Genen, also habe ich schließlich dann doch in diese OP eingewilligt. Wir hatten tatsächlich großes Glück: In allen sechs Gewebeproben konnten noch vitale Spermien gefunden werden, die entsprechend eingefroren wurden. Nun begann die Odyssee der künstlichen Befruchtungen. Marie wurde hormonell stimuliert, Eizellen mit meinen aufgetauten Spermien befruchtet und mal zwei eine dieser Eizellen zurücktransferiert. Zwei Wochen des Wartens begannen, wir wussten um die eher niedrigen Erfolgschancen der assistierten Reproduktion, aber der Befund „negativ“ vom IVF-Labor zog uns doch den Boden unter den Füßen weg. Marie weinte einen kompletten Tag durch, ich bin gar nicht mehr an sie herangekommen. Nach ein paar Tagen hatte sie aber wieder Kraft und Zuversicht: Neuer Versuch, neues Glück!

Marie: Und so ging es in den letzten Jahren weiter: Ich hatte gehofft, man gewöhnt sich an diese Achterbahn, aber von wegen: Beim nächsten IVF-Zyklus hatte sich keine einzige Eizelle befruchten lassen. Wir haben dann erst mal ein halbes Jahr Pause von der Behandlung gemacht, der Stress war für uns beide dann doch zu groß geworden. Aber auch der dritte, der vierte, der fünfte Versuch gingen schief, beim letzten hatten sich zudem nur sieben Eizellen unter der Stimulation bei mir gebildet, die abpunktiert werden konnten. Was ich an Tränen vergossen habe. Daniel konnte mich nicht mehr leiden sehen und wollte bereits nach dem vierten Versuch aufhören, er sprach sogar eine Spendersamenbehandlung an. Ich habe mich aber wieder aufgerichtet, so wie bisher immer nach Krisen, und bin bereit, die letzte Chance zu nutzen, um mir später keine Vorwürfe zu machen.

Daniel: Ich weiß nicht, ob es ein gute Idee von Marie ist, noch einmal alles auf eine Karte zu setzen. Aber selbstverständlich unterstütze ich sie „als Verursacher“ in ihrem Wunsch. Dennoch mag ich mir Maries Reaktion gar nicht vorstellen, wenn auch der letzte Versuch fehlschlägt.

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