Nicole (39 Jahre) und Gernot (39 Jahre)

Im Nachhinein hätte ich einige Dinge anders gemacht. Ich kenne Gernot ja bereits 15 Jahre und wir leben auch so lange zusammen, aber ein Kind hatte für uns zeitlich nie gepasst – dachten wir zumindest. Jetzt verstehe ich den Spruch „Ein Kind kommt immer zum falschen Zeitpunkt“ besser, denn bei uns kam gar keins – bisher jedenfalls. Wir haben lange mit der Familienplanung gewartet. Vor fünf Jahren haben wir mit der Verhütung aufgehört, nach zwei weiteren Jahren dann medizinische Behandlungen in Anspruch genommen. Schneller als gedacht waren wir bei der künstlichen Befruchtung angelangt. Eine richtige medizinische Indikation lag bei keinem von uns vor. Wir liefen unter der Diagnose „Idiopathische Infertilität“, also Unfruchtbarkeit ohne erkennbaren medizinischen Grund. Die Ärztinnen und Ärzte haben uns immer sehr viel Hoffnung gemacht, aber nach dem dritten IVF-Versuch war ich immer noch nicht schwanger. Wir haben dann noch zwei weitere Versuche komplett selber finanziert – ohne Erfolg. Einen richtigen „Plan B“ hatten wir nie entwickelt, die Gespräche in der Adoptionsvermittlung haben wir eher beiläufig am Rande geführt, weil wir sicher waren, dass „Plan A“ schon funktionieren würde: Es lagen schließlich keinerlei medizinische Gründe vor, die gegen eine Schwangerschaft sprachen. Nach dem fünften Versuch war ich emotional aber so komplett fertig, dass wir eine Beratung bei unerfülltem Kinderwunsch aufgesucht haben. Ohne einen „Plan B“ würden wir sicher noch einmal diese langwierige und wirklich aufreibende Kinderwunschbehandlung beginnen. Und vielleicht geht unser „Plan B“ jetzt sogar sehr schnell in Erfüllung: Vor drei Tagen rief die Adoptionsfachkraft an, dass wir wahrscheinlich ein fünfjähriges Mädchen vermittelt bekommen. Mein Gott, bin ich aufgeregt!

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