Susanne (39 Jahre) und Max (42 Jahre)

Wir haben 2010 mit einer medizinischen Kinderwunschbehandlung begonnen. Damals waren wir 35 und 38 Jahre alt. Wir hatten unseren Kinderwunsch ganz bewusst in diese Lebensphase verschoben. Nach unserem Studium wollten wir zunächst ein paar Jahre arbeiten und uns beruflich etablieren. Auch wollten wir für das Kind ein Nest bauen: Es sollte in einem schönen Haus mit Garten wohnen können. Als ich dann die Pille abgesetzt hatte und nach über einem Jahr immer noch nicht schwanger war, fragte ich meine Frauenärztin um Rat. Sie meinte, dass bei mir alles gut ausschaue und dass mein Mann sich auch untersuchen lassen solle. Aber der Urologe fand auch bei ihm keine Einschränkung. Wir gingen dann in ein Kinderwunschzentrum. Dort wurden wir nochmals beide untersucht, doch auch diese Ärzte fanden nichts. Sie schlugen uns eine IVF vor und meinten, dass dies in solchen Fällen helfen könne. Insgesamt führten wir drei Behandlungen durch. Für mich war es eine emotionale Tortur. Ich hatte immer sehr viel Hoffnung, vielleicht auch weil die Ärztinnen und Ärzte meinten, es sähe doch alles gut aus. Und dann kam immer wieder die schlimme Nachricht, dass es wieder nicht geklappt hat. Bei der letzten Behandlung war auch mein Mann so mitgenommen, dass wir gar nicht mehr darüber reden konnten. Wir weinten gemeinsam, ich mehr als mein Mann, aber auch er war extrem enttäuscht. Er hatte an die Medizin geglaubt und war fest davon ausgegangen, dass es klappen würde.

Ich glaube, uns hätte es sehr geholfen, wenn wir während der Behandlung eine Unterstützung gehabt hätten. Doch erst im Nachhinein haben wir gelesen, dass es für diese belastende Zeit eine Beratung gibt. Vielleicht hätten wir uns zunächst geziert, eine solche Hilfe in Anspruch zu nehmen, aber ich vermute, bei diesen großen Belastungen hätten wir es irgendwann getan. Ich habe mich zeitweise sehr aus meinem Freundeskreis zurückgezogen, weil eine Freundin nach der anderen Kinder bekommen hat – und ich konnte es emotional kaum noch ertragen, dass alle sich über diese Schwangerschaften und Geburten so freuten und ich immer leer ausging. Aber mein Rückzug bedeutete auch, dass ich immer weniger Freundinnen hatte, mit denen ich über meinen Kinderwunsch sprechen konnte. Vielleicht hätte ich mithilfe einer Beraterin einen Weg gefunden, mich zu schützen und dennoch den Kontakt nicht zu verlieren. Im Moment versuche ich, diese Freundschaften wieder aufleben zu lassen. Und gleichzeitig müssen wir unser Leben ganz anders ausrichten. Ich bin sicher, dass wir es schaffen, aber es kostet unglaublich viel Kraft.

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