Behandlungsmöglichkeiten bei ungewollter Kinderlosigkeit

Prof. Dr. Heribert Kentenich, Gynäkologe am Fertility Center Berlin, spricht im Interview über Behandlungsmöglichkeiten bei ungewollter Kinderlosigkeit.

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Erste Behandlungsschritte

Nach einer ausführlichen Untersuchung entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Fachärztin/Ihrem Facharzt über die Behandlungsschritte. Erste Ansätze sind:

Zyklusbeobachtung

Mit dem Zyklusmonitoring, der Beobachtung des natürlichen Menstruationszyklus der Frau durch Ultraschall- und Blutuntersuchungen, kann beispielsweise der optimale Zeitraum für eine Befruchtung errechnet werden. Die Kosten für ein ärztlich verordnetes Zyklusmonitoring werden in der Regel von den Krankenkassen übernommen.

Hormonbehandlungen

Oft sind Hormonstörungen bei einem Partner für die Unfruchtbarkeit verantwortlich. Durch die Einnahme von Medikamenten oder eine Gewichtsregulierung bei stark über- oder untergewichtigen Menschen kann sich der Hormonhaushalt normalisieren und den Weg für eine – natürliche oder gegebenenfalls künstliche – Befruchtung frei machen.

Künstliche Befruchtung

Sollten Zyklusbeobachtung oder Hormonbehandlungen keine Wirkung zeigen, können Sie sich auch für eine künstliche Befruchtung entscheiden

Wenn eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg nicht zustande kommt, gibt es die Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung (sogenannte assistierte Reproduktion, ART). Dieser gehen meist Hormonbehandlungen voraus, die den Körper optimal auf die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten vorbereiten.

Die Fortpflanzungsmedizin wird in Deutschland durch das Embryonenschutzgesetz geregelt. Daneben haben die Bundesärztekammer sowie der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen Handlungsrichtlinien erlassen. In Deutschland sind die Bestimmungen sehr streng. Verboten sind zum Beispiel die Verwendung fremder Eizellen, die Leihmutterschaft, das Klonen von Embryonen, die Geschlechterauswahl bei Spermien (außer bei schwerwiegenden geschlechtsgebundenen Erbkrankheiten) oder die Verwendung von Samen Verstorbener.

Intrauterine Insemination

Bei der Samenübertragung (intrauterine Insemination) werden die Samenzellen direkt in die Gebärmutter übertragen – meist, wenn der Partner zu wenige oder nicht ausreichend bewegliche Spermien hat. Die Samenübertragung gilt als eine für die Frau weniger belastende Methode – trotz vorheriger Hormonbehandlung.

Vor der Übertragung wird der Samen aufbereitet, um die Befruchtungschancen zu erhöhen und allergische Reaktionen zu verhindern. Die durchschnittliche Erfolgsquote liegt bei etwa 5 bis 10 Prozent pro Versuch. Nach mehreren Übertragungen tritt in etwa 10 bis 30 Prozent der Fälle eine Schwangerschaft ein.

Gesetzliche Krankenkassen beteiligen sich an den Kosten.

In-vitro-Fertilisation (IVF)

Die In-vitro-Fertilisation (IVF) dauert mehrere Wochen: Nach einer Hormonbehandlung werden der Frau Eizellen aus dem Eierstock entnommen und in einem Reagenzglas mit den Spermien des Partners vermischt. Erfolgt eine Befruchtung und entwickeln sich die befruchteten Eizellen weiter, wird ein Embryo in die Gebärmutter zurückübertragen.

Eine IVF ist ein komplexer Vorgang, nicht immer nistet sich der Embryo in der Gebärmutter ein. Oft werden deshalb zwei bis drei Embryonen übertragen – was in 20 Prozent der IVF-Behandlungen zu Mehrlingsschwangerschaften führt. Die Erfolgsquote einer IVF-Behandlung liegt bei rund 25 bis 30 Prozent, die Lebendgeburtenrate bei 15 bis 20 Prozent.

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen anteilig die Kosten, in einigen Bundesländern gibt es in Kooperation mit dem Bund eine zusätzliche finanzielle Unterstützung.

Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)

Die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) ist eine spezielle IVF-Behandlung. Sie wird angewendet, wenn es aufgrund der Spermienqualität bei einer Samenübertragung oder IVF-Behandlung nicht zur Befruchtung der Eizelle kommt. Bei der ICSI werden der Frau im Anschluss an eine Hormonbehandlung Eizellen entnommen, eine einzelne Samenzelle wird direkt in die Eizelle injiziert. Gelingen Befruchtung und Zellteilung, werden bis zu drei Embryonen in die Gebärmutter der Frau übertragen.

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen anteilig die Kosten, in einigen Bundesländern gibt es in Kooperation mit dem Bund eine zusätzliche finanzielle Unterstützung.

TESE und MESA

Testikuläre Spermienextraktion (TESE) und Mikrochirurgische Epididymale Spermienaspiration (MESA) sind weitere Methoden der künstlichen Befruchtung. Es kann vorkommen, dass sich in der Samenflüssigkeit des Mannes keine Samenzellen befinden. Mithilfe eines operativen Eingriffs kann in manchen Fällen Sperma direkt aus den Hoden (TESE) oder den Nebenhoden (MESA) gewonnen werden. Die anschließende künstliche Befruchtung wird dann nach der ICSI-Methode durchgeführt.

Wie Maßnahmen der künstlichen Befruchtung gefördert werden können und wo Sie nahegelegene Beratungsstellen finden, können Sie auf der Seite Unterstützung nachlesen. Auf der Seite Material können Sie sich Broschüren der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung herunterladen, die die Behandlungsmöglichkeiten vertieft behandeln.

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